* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt



* mehr
     FFs - Prince of Tennis
     FFs - Harry Potter
     FFs - Angel Sanctuary
     FFs - Real Person Slash
     FFs - Anderes
     Kleines Lexikon






  • Titel: It only hurts when I'm breathing
    Pairing: einseitiges Kato/Kira
    Genre: Drama, Songfic
    Warnings: AU, OOC, sad
    Kommentar: Zu dem Lied 'It only hurts when I'm breathing', mein Liebling von Shania Twain.

~It only hurts when I'm breathing~

~Hope life's been good to you since you've been gone
Im doin' fine now - I've finally moved on
It's not so bad - I'm not that sad~

Eigentlich ist mein Leben im Moment ganz okay. Kein Messias, dem ich helfen soll, die Welt zu retten, keine Irren mit Schwertern und Flügeln mehr, die uns an den Kragen wollen - und ich lebe sogar noch. Ist doch keine schlechte Bilanz, oder? Nein, wirklich nicht. Leider heißt das aber auch, dass du nicht mehr da bist. Oh, ich weiß, dass es dir vermutlich besser geht als jemals zuvor. Jetzt hast du, was du wolltest. Aber warum kann ich das nicht sein? Muss es unbedingt SIE sein? Die bringt doch nur Ärger! Falls sich das jetzt selbstmitleidig und trotzig anhört, dann ist es wohl auch so. Aber ich kann das schon ertragen. Immerhin habe ich eines aus diesem ganzen Scheiß gelernt: Es lohnt sich nicht, nur zurück zu schauen. So, wie ich diese ganzen Verrückten da oben einschätze, wird es irgendwann wieder Zoff geben, und auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass ich das noch miterlebe, bin ja nicht unsterblich wie gewisse Andere, habe ich keinen Bock, ein drittes Mal zu sterben, ohne mit meinem Leben zufrieden zu sein. Und das bin ich jetzt. Nur du fehlst.

~I'm not surprised just how well I've survived
I'm over the worst an I feel so alive
I can't complain - I'm free again~

Ich meine, ich habe jetzt mehr Inhalt als nur zu saufen, rauchen oder Drogen zu schmeißen. Damit habe ich aufgehört. Okay, bis auf das Rauche, aber das hast du ja auch getan. Es ist sozusagen eines meiner letzten Bindeglieder an die Vergangenheit. Ich habe vor einem halbem Jahr meinen Abschluss gemacht, nicht mit Glanz und Gloria, aber ich hab ihn. Und seit letzter Woche mache ich eine Ausbildung. Zu was? Du würdest bestimmt lachen, aber in einem Blumenladen. Irgendwie gefällt es mir dort. Ich habe vorher gar nicht darüber nachgedacht, habe einfach zugesagt, war so froh, überhaupt eine Chance zu bekommen, doch inzwischen mag ich es richtig. Ich gebe mir auch Mühe, komme immer pünktlich, bin höflich und so weiter, damit ich Chancen auf einen festen Job habe. Eine kleine Wohnung hatte ich ja schon, seit ich abgehauen bin, aber seitdem ich mein Geld nicht mehr nur für Drogen ausgebe, sieht sie langsam auch aus wie eine. Oh, wie sehr ich mir wünschte, du könntest sie sehen!

~And it only hurts when I'm breathing
My heart only breaks when it's beating
My dreams only die when I'm dreaming
So I hold my breath - to forget~

Wie ich es geschafft habe, von dem ganzen Mist wegzukommen? Vermutlich würde mir das niemand wirklich glauben, aber ausgerechnet Setsuna hat mir geholfen. Unser ehemaliger Messias ist abgehauen, durchgebrannt mit seiner Schwester, aber wir blieben in Kontakt. Er hat auch als Einziger gemerkt, dass etwas nicht stimme. Er half mir mit dir und ich ihm mit Sara, und irgendwie sind wir, ja, Freunde geworden. Und... ich habe immer gehofft, dass du noch einmal wiederkommst. Dann wollte ich nicht wie der ewige Verlierer dastehen, sondern zeigen, dass ich mein Leben im Griff habe. Aber ich sollte es endlich einsehen: Du, wie ich dich kannte, existierst nicht mehr.  Es gibt nur noch denjenigen, der sich deines Körpers bemächtigte und deine Seele verdammte. Meine Hoffnung war vergebens, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass du stolz auf mich wärest, und das reicht mir. Es ist ja schließlich nicht so, dass ich dich brauchen würde, oder?

~Don't think I'm lyin' 'round cryin' all night
There's no need to worry - I'm really all right
I've never looked back - as a matter of fact~

Seufzend wolle ich mich auf die Seite, betrachte die Fotos, die stets auf meinem Nachtisch stehen. Ich habe Setsuna darum gebeten, da ich keine hatte. Wie schön du doch bist... die schwarzen Haare, die dir immer wieder ins Gesicht fielen, egal wie oft du sie weg strichest... die Augen in einem tiefem Schokoladenbraun, die stets so kalt blickten... nur manchmal schienen sie so warm. Das waren dann die Augenblicke, in denen ich mir einbildete, es sei nur für mich und mein Herz Freudensprünge machte, obwohl ich doch dachte, es längst im Rausch getötet zu haben...deine feinen, ebenmäßigen Gesichtszüge mit der leicht schimmernden Haut... der Körper, elegant und kraftvoll... deine Bewegungen, geschmeidig wie die einer Katze... Ohne es zu merken hast du dich damals in mein Herz geschlichen. Du warst alles für mich, ein Zuhause, ein Freund, meine ganze Welt drehte sich um dich und die Drogen, die mir mich in einen ähnlichen Rausch versetzten. Und ich Idiot habe es erst realisiert, als es schon zu spät war, als du nicht mehr du, sondern Luzifer, Fürst der Hölle oder auch Nanatsuyaya warst. Zu diesem Zeitpunkt sind eine schönen braunen Augen grau geworden.

~And it only hurts when I'm breathing
My heart only breaks when it's beating
My dreams only die when I'm dreaming
So I hold my breath - to forget~

Ich würde nicht sagen, dass ich ständig an dich denke oder gar heule. Aber manchmal, so wie jetzt, überkommt mich einfach die Erinnerung. Weinen tue ich ur sehr selten dabei. Es ist vorbei, du wirst nicht mehr wieder kommen und mich lieben schon gar nicht. Aber ich kann mich nicht des Gedankens erwehren, dass es schöner wäre, wen du dabei wärest. Hölle, ja, ich vermisse dich. Du hast mir damals mehr geholfen, als du vermutlich weißt. Selbst jetzt hilfst du mir noch, nur durch die Erinnerung an dich. Und ich hasse dich, weil du nicht gegen ihn ankämpfst, trotz unserer... unserer... ja, was eigentlich? Was verband uns beide? Freundschaft? Ich glaube, dazu waren wir beide einfach nicht in der Lage. Wir waren, Kumpels, ja. Aber war das der Grund dafür, dass du mir immer wieder aus dem Dreck geholfen hast?

~It only hurts when I breathe~

Nein, da war etwas, das tiefer ging, uns verband. Ich hatte immer das Gefühl, dass du mich verstehst. Plötzlich war da jemand, der verstand, warum ich immer so viel Scheiße baute. Ich kann es nicht genau erklären, aber du warst da. Wir haben uns gemocht, auch wenn du es wahrscheinlich nie zugegeben hättest. Und ich liebte dich, liebte dich mehr als mein Leben.

Plötzlich fällt mein Blick auf die Uhr. Erschrocken fahre ich hoch, ich wusste nicht, dass es schon so spät ist. In fünf Minuten muss ich im Laden sein. Nach einem letztem Blick auf dein lächelndes Gesicht auf dem Foto stürme ich hinaus. Tschüß, Kira. Ich vermisse dich.

~Hurts when I'm breathing
Breaks when it's beating
Die when I'm dreaming
It only hurts when I breathe~

~Ende~

 

  • Titel: Ein anderes Gefühl von Schmerz
    Pairing: Kato/Kira, wenn sie's denn gebacken kriegen würden, ganz kleiner und versteckter Hint auf Luzi/Mika
    Genre: Drama, Songfic
    Warnings: Sad, OOC, little AU
    Kommentar: Ich krieg bei den beiden einfach keine Happy Ends hin... das hier sollte eigentlich Sap und Lemon werden. Tja. Das Lied ist von Rosenstolz.

~Ein anderes Gefühl von Schmerz~

~Jedes Mal wenn ich dich seh
Fehlt mir etwas Mut
Ich schau dich zu lang an
Und schwindlig ist mir auch~

Was zum Teufel war nur mit Kato los? Kira wurde einfach nicht schlau aus ihm. Der Kerl würde ihn noch frühzeitig ins Grab bringen! Schlimm genug, dass der Blonde einfach weggerannt war, nein, er war auch noch wie vom Erdboden verschwunden. Und es war drei Uhr morgens, wie Kira mit einem Blick auf die Bahnhofuhr feststellen konnte. Missmutig zog er an seiner Kippe, ohne dabei den Platz vor den Gleisen aus den Augen zu lassen. Hier war ein beliebter Umschlagplatz für Drogen, doch heute war nichts los. Das heißt, einige waren schon da, aber kein Kato. Und langsam wurde es kalt. Nachdenklich drehte er sich um und ging, in Gedanken ganz bei dem merkwürdigen Verhalten des Junkies.

~Jedes Mal denk ich bei mir
Heute wär der Tag
An dem ich's dir erklär
An dem ich alles sag~

#---#Flashback#---#

"Hi, Kato! Bock, heute Abend mit auf die Party zu kommen?". Kira war bester Laune, als er den Blonden besuchte. "Nein." Das brachte den Braunäugigen zum Stutzen. Kein Schimpfwort hintendran? Keine Bemerkung, dass er nicht einfach so hereinkommen solle und überhaupt gut wieder verschwinden könne? Das war ungewöhnlich. Dann sah er, was Kato da in der Hand hielt. "Was ist das für ein Brief?". Er war ja nicht neugierig, nein, überhaupt nicht. Das schien auch der Andere zu denken, denn mit einer einzigen fließenden Bewegung steckte er das Stück Papier in die Hosentasche, drehte sich um und ging. Sofort hatte er Kira auf den Fersen. "Wohin willst du?". "Weg." Damit beschleunigte er seine Schritte, bog um die Ecke - und war wie vom Erdboden verschluckt. Zurück blieb ein kopfschüttelnder Kira.

#---#Flashback Ende#---#

~Und du meinst
"Lass uns Freunde sein"
Und du nimmst mich in den Arm~

Dies tat auch der in der Gegenwart, als ihm klar wurde, dass doch tatsächlich er, Sakuya Kira, Eisblock in spe, fast die ganze, wenn auch kurze, Unterhaltung geführt hatte. Er würde sich den Tag ja rot im Kalender anstreichen, wenn es denn das erste Mal gewesen wäre. Tatsächlich aber ging das schon seit Wochen so. Und genau das war der Grund, warum er durch die Stadt lief wie eine Mutter auf der Suche nach ihrem Baby. Langsam kam er sich wirklich lächerlich vor. Er sollte besser nach Hause gehen und endlich schlafen. Manche Leute gingen nämlich zur Schule. Das Kato sich deshalb keine Sorgen machte, war ihm schon klar, aber er... Der klitzekleine Störfaktor bei der Sache war, dass er ganz genau wusste, dass er kein Auge zukriegen würde, so lange er nicht wusste, dass der Blonde noch unter ihnen weilte. Bei dem konnte man sich nämlich nie so sicher sein. Er schien Ärger magisch anzuziehen. Wenn Kira nicht wäre, würde er vermutlich längst weit fort sein... ungefähr sechs Fuß unter der Erde. Was den Schwarzhaarigen wieder zu seiner Frage brachte: Was tat er hier eigentlich?

~Es war das erste Mal
Das letzte Mal
Es kostet mich mein Herz~

Seufzend lehnte er sich an das Geländer der Brücke, die er inzwischen erreicht hatte. Von hier aus hatte man einen fantastischen Blick über ganz Tokio... oder jedenfalls glaubte man an diese Größenordnung, wenn  man diesem Lichtermeer unter einem grauem Himmel zum ersten Mal gegenüberstand. Hätte Kira eine romantische Ader besessen, hätte er es sicher wunderschön gefunden. So war es ein guter Platz zum Rauchen und nachdenken. Und das hatte er auch dringend nötig. Er verstand sich momentan selbst nicht. Warum machte er sich solche Sorgen um den Anderen? Das war untypisch für ihn.
mit Ausnahme Setsunas hatte er sich niemals um jemanden gekümmert, und damals war es ein Befehl seitens Luzifers gewesen. Er, Sakuya Kira, kümmerte sich nicht, dazu war er viel zu asozial. Aber anscheinend galt das nicht für den Fall Kato, also sollte er sich besser etwas anderes überlegen. Vielleicht war es ja, weil sie Freunde waren? Jedenfalls glaubte er das. Sie beide kannten sich inzwischen verdammt gut, und wenn Kira jemals mit jemanden über seine Probleme reden würde, wäre es wohl Kato. Ja, das waren sie wohl. Freunde.

~Und du sagst
"Ich bin für dich da"
Doch das ist niemals genug~

Freunde... irgendwie hörte sich seine innere Stimme nicht sehr begeistert an. Um nicht zu sagen, enttäuscht. Ein bitteres Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Natürlich war sie das. Er würde zwar lieber sterben, als es irgendeiner lebenden Seele (Tote, Engel und Satane eingeschlossen) zu erzählen, aber er war schließlich ganz schön in den Jüngeren verknallt, oder? Das Lächeln erlosch. Ja, natürlich war er. Und das nicht erst seit gestern. Schließlich war es nur diese Liebe gewesen, die seine Seele davor bewahrt hatte, ganz mit der Luzifers zu verschmelzen. Zumal der ja seine eigene, wahre Liebe hatte, auch wenn es nicht, wie weitläufig angenommen, Alexiel war. Ein ironisches Grinsen verzog seine feinen Züge, als ihm klar wurde, wie gut er es doch hatte. ER war weder mit Kato blutsverwandt, noch hatte er sich für alle Ewigkeit mit ihm zerstritten. Und manchmal, wenn der Blonde total zugedröhnt war, konnte er ihn auch im Arm halten, und sei es nur, um ihn wieder nach Hause zu bringen, oder besser: zu tragen. Er schüttelte den Kopf, um das Bild eines friedlich schlafenden Kato aus seinem Kopf zu vertreiben. Okay, jetzt reichte es. Sorge hin oder her, er musste schlafen. Und so machte sich Kira auf den Weg in sein Bett.

~Es war das erste Mal
Das letzte Mal
Ein anderes Gefühl von Schmerz~

Er musste tatsächlich sehr müde gewesen sein, da er die schmale Gestalt nicht bemerkte, die ihn von der gegenüberliegenden Seite beobachtete, verdeckt durch die vorüberziehenden Autos und verschmolzen mit dem Schatten. Die atmete erleichtert aus. Er hatte schon gedacht, der Kerl würde gar nicht mehr gehen. Was machte er überhaupt hier? Etwa nach ihm suchen? Unwahrscheinlich, sehr unwahrscheinlich. Jetzt trat Kato ins Licht. Nachdenklich sah er den Umrissen Kiras hinterher, dann zuckte er mit den Schultern. Vermutlich hatte er nur keinen Bock auf Stress mit seinem Alten. Den würde er jetzt zwar erst recht bekommen, aber wer wurde schon aus Sakuya Kira schlau? Da fiel ihm ein... er zog den Brief heraus. Aber... das war gar nicht so leicht. Nicht, dass Kira ihn dann hassen würde oder so. Aber er hatte Angst davor, was er, Yue Kato, dann tuen könnte - und was für Konsequenzen das haben würde.

~Lass mich los es tut so weh
Wenn du mich berührst
Und jedes sanfte Wort ein Schlag in mein Gesicht~

Seufzend schloss er die Augen und erinnerte sich an das, was seiner Meinung nach den Titel 'Schönster Moment meines bisherigen Lebens' durchaus verdiente. Er hatte sich schon oft gewundert, wie er nach diversen Trips wieder nach Haus gekommen war. Aber einmal hatte es nicht gewirkt. Die Dosis war zu gering oder der Stoff minderwertig, was wusste er. Tatsache war, dass er aufgewacht war - und sich in den Armen seines Freundes wiederfand. Der hatte anscheinend nichts gemerkt, zumal der Blonde die Augen geschlossen ließ. Er wollte diesen Moment noch ein wenig genießen. Er war ihm so nahe... er konnte seinen unvergleichlichen Geruch, der ihn immer wieder irgendwie an Freiheit erinnerte, einatmen, tief inhalieren, für immer in seinem Gedächtnis einbrennen. Und das war auch dringend nötig, denn er war sich sicher, eine solche Gelegenheit nicht noch einmal zu bekommen. Wie denn auch, wenn er die Nähe des Anderen panisch mied? Aber was sollte er denn auch machen? Ein besonders guter Schauspieler war er nun einmal nicht. Er war unfähig zu verbergen, wie sehr schmerzte, wenn Kira ihm so nahe war und doch so weit weg.

~Warum komm ich hier nicht weg
Warum geh ich nicht
Du bist mir viel zu nah
Doch niemals nah genug~

Es war vorher schon schlimm genug gewesen, doch nach diesem Erlebnis, an dessen Ende er in seinem Bett, das eher einer Pritsche glich, gelandet war, war es schier unerträglich geworden. Und da half seiner Ansicht nach nur eines: Flucht nach vorne. Leider hatte sich herausgestellt, dass sowohl Kira als auch dessen Bild in seinem Gedächtnis hartnäckiger als gedacht waren. er konnte sich einfach nicht von dem Schwarzhaarigen losreißen, so sehr er es auch wollte. Und wenn er ehrlich war, haperte es auch damit. Nicht, dass er den Schmerz vermissen würde, den er empfand, wenn der andere ihm nah war und er ihn nicht berühren durfte. Aber er würde die seltenen Lächeln, das Aufziehen, die oft nicht sehr schmeichelhaften Spitznamen, das maskenartige Gesicht... einfach alles, was Kira ausmachte, vermissen, wenn er abhaute. Er wüsste zwar auch gar nicht, wohin, aber das hatte ihn noch nie gestört. Kira war sein Zuhause, und wenn er das verlieren würde, könnte auch der prachtvollste Palast keinen Ersatz bieten.

~Und du meinst
"Lass uns Freunde sein"
Und du nimmst mich in den Arm~

Endlich zeichnete sich eine Lücke im Autoverkehr ab, durch die er witschen konnte. Zügig ging er auf das Geländer zu, was ihm einige erschrockene Blicke seitens vorbeifahrender Autofahrer einbrachte. Vermutlich glaubten sie, er würde springen. Ja, das würde doch zu ihm passen, oder? Ein 17-Jähriger, der rauchte, soff, oft auf der Straße lebte und Drogen nahm, brachte sich um, nicht einmal genug Geld für das zum erhängen nötige Seil. Tragisch, nicht? Aber so weit war er dann doch nicht. Er lehnte sich über das Geländer, zog den Brief heraus... und sah zu, wie er langsam zum dunklen Wasser herab segelte. Das Plätschern des Aufpralls wurde vom Lärm der Stadt verschluckt. Und mit ihm ein Brief, der ihm entweder alles gebracht oder alles verlieren lassen hätte, hätte er nur den Mut gehabt, ihn abzugeben.  

~Es war das erste Mal
Das letzte Mal
Es kostet mich mein Herz~

Er stand noch eine ganze Weile da und starrte gedankenversunken auf das glitzernde Wasser, als er plötzlich eine Hand aus seiner Schulter spürte. Erschrocken wirbelte er herum - um Kira direkt in das kalte Gesicht zu sehen. Nach einer Sekunde tiefen Durchatmens fauchte er wütend: "Musst du mich so erschrecken? Saftsack!". Der Andere verzog keine Miene, als er erwiderte: "Ich wusste dich, dass ich dich übersehen hatte. Was machst du hier?". "Neuerdings blind? Ich rauche." "Ha, ha. Und davor?". "Geht dich einen Scheißdreck an!". Das hörte sich schon eher nach dem Kato an, den Kira kannte. Er beschloss,  einfach froh zu sein, dass der Andere wieder einigermaßen ‚normal' war und keine Fragen mehr zu stellen. So grinste er den überraschten Junkie plötzlich an: "Lass uns gehen." Damit zog der Kühle ihn mit sich. Der Blonde ließ es mit sich geschehen. Ja, dachte er, so war es besser. Sie waren schließlich Freunde.

~Und du meinst
"Lass uns Freunde sein"
Und du nimmst mich in den Arm

Es war das erste Mal
Das letzte Mal
Ein anderes Gefühl von Schmerz~

~Ende~

  • Titel: Masken
    Pairing: Luzifer/Michael
    Genre: Romantisch, Songfic, anfangs etwas Drama
    Warnings: Inzest, OOC, Sap, Sad
    Kommentar: Also *tief Luft hol*: Die Lieder sind von L'âme immortelle, Anastacia, Negative und P.O.D., die POV erst Luzi, dann Mika, dann allgemein, und im Epilog stehts drann^^
  1. ~Masquerade~

    Ich bin geflüchtet. Bin raus aus She'Ol, zu einem kleinem Ort, den nur ich und du kennen. Ja, ich, der große Luzifer, gefallener Engel und Teufel in Person, hab mich verpisst, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Aber es ist schön an diesem See und ich muss dringend nachdenken.

    ~My only friend was solitude
      And only darkness seemed to care
      So I forged this dreadful mask
      That I'm curse to wear~

    Es ist schwer, es sich einzugestehen, aber ich laufe vor mir selbst davon. Ich versuche, mir einzureden, dass ich so wäre, wie ich zu sein scheine: Kalt, gefühllos, unnahbar. Alle sehen sie mich so, alle glauben sie, dass ich so etwas wie 'fühlen' gar nicht kenne. Nun, einige würden mir vielleicht noch Hass zugestehen, aber Traurigkeit...? Nein, lachen würden sie und sagen: "Wie? Dieser ale Eisklotz und Gefühle?". So hatte man jedenfalls von Sakuya Kira gesprochen, vor mir haben die meisten einfach zu viel Respekt. Ist auch gesünder für sie
    .
    Doch es stimmt nicht. Ich bin traurig, so traurig, dass ich weinen möchte, doch meine Augen haben keine Tränen mehr. Ich habe noch nie geweint. Ich kann es einfach nicht. Es ist niemand da, der sie wegwischen würde, und das macht sie unnütz. Dennoch würde ich gerne weinen. Ich sehne mich danach, als wäre das die Lösung meines Problems. Als ob das so einfach wäre. Doch es wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Einmal würde ich meine Maske ablegen und leben.

    ~Now every day it's staring at me
      Hanging from the wall
      "Without me you are useless
      Without me you will fall!"~

    Ja, ich trage eine Maske. Dieses Gesicht, eiskalt, starr, wie in Stein gemeißelt... es ist nichts anderes. Ich will unbedingt stark sein, und dabei bin ich doch so schwach. Sonst hätte ich mich gegen diese Maske gewehrt, hätte verhindert, dass sich diese Mauer erst aufbaut, dass sie mich von dem abgrenzt, was mir mein Leben lang am wichtigstem war, ist und immer sein wird. Doch ich habe es nicht getan und nun kann ich nicht mehr ohne sie leben. Wo kämen wir denn hin, wenn Luzifer Gefühle zeigen würde? Vermutlich in Teufels Küche, nur das ich gar keine besitze. Aber ich kann gar nicht mehr ohne sie leben. Die Vorstellung, schwach zu sein, ist mir unerträglich geworden... und doch so verlockend... eine Verlockung, der ich nicht nachgeben kann und darf. Gut, viel tiefer kann ich nicht mehr fallen. Aber ich würde auch noch die letzten Reste meines so sorgfältig modellierten 'Ichs' verlieren. Ich wäre nicht besser als der letzte Dreck. Oder?
    Bin ich denn so besser? Ist ein Schauspieler, der allen, sogar sich selbst, etwas vormacht, besser als jemand, der noch fühlt und es auch zeigt? Der auf gewisse Weise noch... menschlich ist? Ja. Nein. Vielleicht. Ich weiß es einfach nicht.

    ~Now I'm scared and im afraid
      Of the roles that I have played
      Of vows I broke and vows I made
      It's time to end this masquerade~

    Du wüsstest es, nicht wahr? Du würdest mich in den Arm nehmen und ich könnte schwach sein. Doch diese Chance habe ich verspielt. Du hasst mich. Und ich will es so. Schon seit unserer Kindheit behandle ich dich so, tue so, als wärst DU, und nicht ich, der letzte Dreck. Oh, ganz zu Anfang war es nicht so. Damals waren wir noch Kinder, doch wir beide hielten zusammen, wie man es eben von Zwillingen erwartet. Ich erinnere mich gerne daran. Du warst längst nicht so... beschränkt, wie alle dachten, du hast sehr wohl bemerkt, wie sie abfällig über dich redeten. Das erste mal bist du davon gelaufen. Anscheinend war ich der Einzige, der das bemerkte - oder besser: bemerken wollte. Ich fand dich schließlich hier. Du hocktest auf der Klippe, auf der auch ich nun sitze, und weintest. Ich ging zu dir hin und nahm dich einfach in den Arm, bat dich, mir zu erzählen, was passiert war. Und dann schwor ich, bei dir zu sein, wenn du mich brauchst. Ich habe mein Versprechen gebrochen.

    ~"Without me no one loves you
      Without me you're alone"
       I can not live without you
       I can't be on my own~

    Ich habe es getan, weil mir klar war, dass ich fallen würde. Und das du mit mir gehen würdest. Du hättest es getan, auch wenn du es vermutlich nie zugeben würdest. Ich bin dein Bruder, und in einer Hinsicht bist du wie ein Kind, unschuldig und rein: In deiner Art, Treue zu halten und zu hassen. Das hat es nur doppelt so schwer gemacht, mich von dir zu lösen, jedes Mal, wenn ich dich wieder abgewiesen hatte, schnitt es mir tiefer in Herz. Doch ich hielt durch, immer daran denkend, dass es besser so war. Ich war sogar ein bisschen neidisch darauf, dass du trotz allem noch unbeschwert lachen konntest. Heute freilich ist davon nichts mehr zu merken, dafür habe ich schon gesorgt.

    Dann traf ich Alexiel - und richtete all meine Liebe auf sie, die doch eigentlich dir gehörte. Wie töricht das war, sehe ich heute, wo sie und ich nur noch gute Freunde sind. Doch ich tat alles für sie... und griff dich an. Und du wehrtest dich. Du hättest mich töten können, doch du hast es nicht getan. Inzwischen würdest du es tun. Jedes Mal, wenn wir uns sehen, zerreißt es mir beinahe das Herz, dich so wütend zu sehen, und dich anzugreifen fällt mir mit jedem Mal schwerer. Du hasst mich. Und ich will es so. Doch warum tut es dann so weh?

    ~When I wear you day by day
      I am a king, come what may
      But I know that someday
      I will know the price to pay~

    Ich weiß, dass ich das Richtige getan habe, doch es quält mich mit jedem verdammtem Tag mehr. Meine Maske droht mich zu erdrücken und es ist niemand da, der sie aufhält. Ich habe Angst vor dem Tag, an dem ich auch das letzte Gefühl verliere, vollkommen taub werde. Denn so qualvoll diese Traurigkeit auch ist, sie ist alles, was mir geblieben ist.

    Sie, und meine hoffnungslose, verzweifelte Liebe zu dir. Eine Liebe, die weder im Himmel, noch in der Hölle oder auf Erden erlaubt ist. Denn wir sind nicht nur beide Männer (Was eher weniger stört, man sehe sich nur Rosiel und Katan an... obwohl, bei Rosiel bin ich mir mit dem 'männlich' nicht ganz so sicher...), nein, wir sind auch noch Geschwister, Zwillinge. Egal wie wie unterschiedlich wir aussehen, egal, wie verschieden wir auch sein mögen, dieses Band zwischen uns wird immer bestehen. Und dennoch kann ich nichts dagegen tun: Ich liebe dich. Auch wenn es jetzt vermutlich furchtbar kitschig klingt: Ich würde für dich sterben. Und ich habe es schon getan: Ich habe meine weiche, verletzliche Seite tief vergraben und dir und allen anderen nur noch Kälte gezeigt. Und nun drohe ich daran zu zerbrechen.

    ~Now I'm scared and I'm afraid
      Of the roles that I have played
      Of vows I broke and vows I made
      It's time to end this masquerade~

    Ich sollte endlich aufhören, mich selbst zu belügen. Ich kann nicht mehr, bin am Ende und verzweifelt. Oh, wie sehr ich mir wünschte, du würdest jetzt da sein und mir helfen! Bitte...

    Ganz fest schließe ich die Augen, kann das friedvolle Bild des Sonnenuntergangs über dem Wasser nicht mehr ertragen... und da sehe ich dich vor mir. Du mit deinem wilden, ungebändigten Haar, den funkelnden goldenen Augen und dem knabenhaften Körper, der so viel Kraft in sich birgt... und im selben Moment durchfließt mich eine unglaubliche Traurigkeit und Liebe, die nicht die meine ist, der meinen aber sehr ähnelt.

    In diesem Moment weiß ich: Ich werde einen Schlussstrich ziehen und meine Maske ablegen. Und du sollst mir dabei helfen. Wenn du das nicht willst oder kannst, wenn dein Hass größer ist als meine Liebe, werde ich wieder mit ihr verschmelzen... und für immer zu einer Machine werden.

    ~I see it clearly now - the end
      It's time to say good bye my friend
      I have to live as who I'd be
      Without a mask protecting me~

    Ich komme zu dir, Brüderchen. Warte auf mich und lass meine Maske zerbrechen.
  2. ~Heavy on my heart~

    Ich liebe diesen Ort. Er ist so schön friedlich. Oh, schon klar, ich bin der Engel des Krieges und mein Feuer fühlt sich in der Nähe von Wasser auch nicht wirklich wohl. Aber an diesem Ort kann ich schwach sein und nachdenken, niemand sieht mich. Nur du kennst ihn außer mir, aber du würdest vermutlich lieber verrecken, als hierhin zu kommen. Wahrscheinlich erinnerst du dich nicht einmal mehr daran, was hier passierte, hast es mit allen Resten deiner Menschlichkeit verbannt, mit Eis überzogen. Ich wünschte, ich könnte das, könnte vergessen, wie du mich in den Arm genommen hast und sagtest, dass du da bist. Könnte vergessen, dass ich dich liebe.

    ~Try to fly away but it's impossible
      And every breath I take is birth to deeper sighs
      And for a momment I am weak so it's hard for me to speak
      Even though we're underneath the same blue sky~

    Fuck, ich hasse dich. Hasse dich dafür, dass du mich alleine gelassen und verraten hast. Wir sind Brüder, Zwillinge, verbunden mit einem Band, dass Außenstehende wohl niemals verstehen könnten. Doch du verleugnetst und zerreißt es, trittst mit Füßen auf die spärlichen Reste. Warum tust du das? Bin ich dir denn so egal? Ich lache bitter auf. Ja, bin ich. Für dich zählt nur Alexiel und der Kampf gegen Gott. Darauf richtet sich dein ganzes Denken,, nur dort zeigst du so etwas wie Gefühle.

    Und für mich? Der Krieg und der Hass auf dich. Ich mache immer allen weis, dass er wegen deinem Verrat gegen Gott entstanden ist. Aber das stimmt nicht. Ich hasse dich, weil du ihn ohne mich begangen hast.

    ~If I could paint a picture of this melody
      It would be a violin without its strings
      And the canvas in my mind sings the songs I left behind
      Like pretty flowers and a sunset~

    Ich wäre mit dir gekommen. Ich hätte alles für dich getan, wäre mit Freuden mit dir in die Hölle gegangen. Alles wäre mir egal gewesen, so lange du nur bei mir wärst. Doch du hast mich schon lange vorher von dir gestoßen, deine Mauer aus Eis aufgebaut. Und dann griffst du mich an. Einen Moment lang tat ich gar nichts, war zu geschockt aufgrund deines Hasses, doch dann wehrte ich mich. In diesem Moment zerriss unser Band. Vorher kannte ich trotz allem deine Gefühle, ich spürte sie einfach, auch wenn du lerntest, sie abzuschirmen. Doch in dem Moment, in dem die Brüder, die doch stets zusammenhalten wollten, das Schwert gegeneinander erhoben, zerbrach es.

    Ich hätte dich damals töten können, aber das konnte ich nicht. Ich ließ es später wie Unfähigkeit aussehen, doch in dem Moment, in dem du mich so kalt anlächeltest, war es vorbei. Ich konnte dich einfach nicht töten, denn dafür liebte ich trotz allem viel zu sehr. Das ist mir in diesem Moment klar geworden. Es ist gut, dass ich der Schwächere von uns beiden bin, denn so kann ich gegen dich kämpfen, ohne Angst haben zu müssen, dir eines Tages überlegen zu sein. Und doch wünschte ich mir, ich könnte dir deine Augen herausreißen, damit sie mich nicht mehr so kalt anblicken.

    ~It's heavy on my heart
      I can't make it alone
      Heavy on my heart
      I can't find my way home
      Heavy on my heart
      So come and free me
      It's so heavy in my heart~

    Ich lüge schon wieder. Ich möchte sie nicht herausreißen, ich will, dass sie mich wieder so warm anfunkeln wie früher, als das wunderschöne Grau in ihnen noch alles über dich verriet. Ich will, dass du mich wieder anlächelst, warm und strahlend, so dass man nicht anders kann, als zurück zu lächeln. Ich will, dass du mich liebst.

    Wieder lache ich auf. Ist das nicht erbärmlich? Der große Michael sehnt sich wie ein Kind nach seinem Bruder. Dabei waren wir zwei nur sehr kurz Kinder. Du hast dich schnell verändert, und da begann auch ich meine Maske zu formen. Ich war unfähig, meine Traurigkeit komplett zu verbergen, also überdeckte ich sie mit Wut. Ich genieße es, zu kämpfen. Dann kann ich mich frei fühlen und muss keine Maske tragen. Aber den Rest meines Lebens werde ich sie einfach nicht los. Dabei will ich gar nicht so viel zerstören, auch wenn es mir Spaß macht, zu sehen, wie alle Angst haben und Raphael sich aufregt. Ich wäre so gerne wieder sanft, doch diese Fähigkeit ist zusammen mit unserem Bund verschwunden. Und ohne dich ist sie nichts wert.

    ~I've had my share of pleasure and I've tasted pain
      I never thought that I would touch an angel's wing
      There's a journey in my eyes
      It's getting hard for ne to hide
      Like the ocean at the sunrise~

    Mir geht es momentan einfach beschissen und ich bin allein. Raphael ist glücklich mit seiner Barbiel zusammen (was ihn allerdings nicht daran hindert, weiterhin alle, was zwei Brüste und einen Hintern hat, anzugraben), und sonst hat sich sowieso niemand so richtig an mich herangetraut. Gerade jetzt nicht. Ich zerstöre momentan alles, was mir in den Weg kommt, dabei bin ich doch nur hilflos. Ich suche mich selbst und will, dass du mich findest. Doch das wird wohl nie wieder passieren. Ich sollte es endlich einsehen.

    Ich wünsche mir so, dem ganzen Scheiß endlich ein Ende machen und mir mein geliebtes Schwert in die Brust rammen zu können, aber selbst dafür bin ich zu feige. Ich habe Angst davor, alleine in einer Welt ohne dich zu sein. Nein, erst wirst du sterben, und dann werde ich dir mit Freude folgen.

    ~It's heavy on my heart
      I can't make it alone
      Heavy on my heart
      I can't find my way home
      Heavy on my heart
      So come and free me
      It's so heavy on my heart~

    Dummerweise weiß ich aber nicht, wie ich so lange überleben soll. Ich werde von dir angezogen wie die Motten vom Licht und ertrinke in deiner Kälte. Jedes Mal, wenn wir uns sehen, muss ich dem Drang wiederstehen, dir einfach in die Arme zu fallen und dort für immer sicher und geborgen zu liegen. Wie gerne würde ich dann mit meinen Händen durch deine glänzenden schwarzen Haare fahren, die blassen Wangen entlang streichen und die schmalen Lippen mit meinen liebkosen. Aber dann wäre ich wohl so tot, toter geht es gar nicht.

    Aber... manchmal spüre ich wieder etwas von dir, als würdest du mir etwas mitteilen wollen. Dann ergreift mich eine schreckliche Trauer und Angst, die ich einfach nicht verstehe. Wovor solltest du auch Angst haben? Du bist doch stark, fast schon, nein, streicht das, komplett inhuman. Vermutlich täusche ich mich nur selbst, indem ich mir Hoffnungen mache. Aber ohne diese Hoffnungen wäre ich nicht mehr als eine Machine, die alle Kraft auf ihr Ziel richtet, sei es, zu töten, sei es, zu leben.

    ~Love
      Can you find me in the darkness
      And love
      Don't let me down~

    Doch so verschieden wir auch sind, eines haben wir stets gemeinsam gehabt: Unseren Stolz. Du würdest dich niemals beugen, und ich bin durch all die Beleidigungen und Kränkungen nur noch selbstbewusster geworden. Ich weiß, was ich kann und bin, und meine Würde kann mir niemand nehmen. Neben dir fühlte ich mich stets grob und unflätig. Aber ich sehe es nun einmal nicht ein, warum man alles verkomplizieren oder auch lügen muss, nur um als höflich zu gelten. Ist doch dämlich.

    Aber du hast wieder eine Art, Überlegenheit auszudrücken, daraus gemacht. Ich habe das nicht nötig. Ich weiß, dass ich dir an Gefühlen überlegen bin... und wenn sie noch so gut unter meiner Wut versteckt liegen. Aber immerhin fühle ich noch. Du kannst das nicht mehr. Du bist der Engel des Lichts, aber Engel des Eises hätte den Punkt verdammt gut getroffen. Du hast verlernt zu fühlen, bist so leer, nicht mehr als eine Hülle.

    ~There's a journey in my eyes
      It's getting hard for me to hide
      And I never thought that I've touch an angel's wings~

    Merkst du nicht, wie verzweifelt ich mir wünsche, diese Leere zu füllen? Ich könnte dir zeigen, was es heißt, zu fühlen, zu leben, aber du wehrst jeden Versuch meinerseits von Vorneherein ab. Warum? Wovor hast du Angst? Vor dem Schwachsein? Aber du wärst doch nicht schwach! Du würdest viel eher daran wachsen. Komm zu mir und ich zeige dir, was es heißt, zu leben. Wenn schon nicht als Geliebter, dann wenigstens als der Bruder, der du mal warst. Lass dich von mir in den Arm nehmen und halt mich fest. Wir brauchen uns, und wenn du das nicht sehen kannst oder willst, weil deine Gefühlslosigkeit größer als meine Liebe ist, dann möchte ich, dass du mich tötest, dein Schwert durch mein gepeinigtes Herz bohrst und meines Sehnsucht für immer ein Ende bereitest.

    ~It's heavy on my heart
      I can't make it alone
      Heavy on my heart
      I can't find my way home
      Heavy on my heart
      So come and free me
      It's so heavy on my heart...~

    Entschlossen stehe ich auf, klopfe mir den Staub von der Hose - und halte erschrocken inne. Dort oben auf der Klippe steht jemand und sieht mich überrascht an: Du...
  3. ~The moment of our love~

    Starr standen sie sich gegenüber. Kalte, graue Augen trafen auf sprühende Goldene. Stille.

    ~I've tried to kill the pain
    But it keeps me in this circle
    It's hard to get away
    And I feel you again
    You're with me
    Love is a word you gave it a name~

    Auch wenn man es ihm wie stets nicht ansah, Luzifers Gedanken rasten. Ja, er wollte sowieso zu ihm, aber es denken und es dann zu tun waren zwei verschiedene Sachen. Aber irgendwie war er froh darüber, dass es hier passierte, dass sich hier, an diesem Ort, den er so liebte, entscheiden würde, wie sein weiteres Leben aussähe. Michael machte eine kleine Bewegung mit der Hand. Nun sah der Fürst der Hölle sich ihn genauer an. Der Körper des Elementars steckte wie immer in Leder, was ihm in seinen Augen ausgesprochen gut stand. Ein Lächeln schlich auf sein Gesicht. Dann blickte er erneut in diese unglaublich schönen Augen, die dem Sonnenuntergang über dem See in nichts nachstanden - und erstarrte. Waren das etwa Tränen, die darin funkelten, sich langsam den Weg über die blassen Wangen suchten und schließlich über das Drachentattoo auf den Boden tropften? Unwillkürlich spürte er, wie sich etwas in ihm regte[1]. Sein Engel sollte nicht weinen... warum sah er nur so traurig aus? Alles in ihm schrie danach, den Kriegsengel einfach in den Arm zu nehmen und ihn zu trösten, aber das konnte er dich nicht... oder doch?

    ~Love is right now
    So don't close your heart
    I've been wating all my life
    For this moment of our love
    With you~

    Ungläubig starrte Michael seinen Bruder an. Was machte der denn hier? Er hätte nicht gedacht, Moment, in dem er zu ihm gehen wollte, und das nicht mal um ihn zu töten, sondern um zu reden... Es bestätigte mal wieder seine Meinung, dass das Leben manchmal(?) seltsam war. Und was nun? Plötzlich bemerkte er, wie ihm die Tränen die Wangen hinunter liefen. Kurz zuckte seine Hand nach oben, wollte sie wegwischen, doch dann ließ er es bleiben. Wozu noch? Der ehemalige Engel des Lichts hatte sie bestimmt sowieso schon bemerkt. Wieder richtete er seine volle Aufmerksamkeit auf den anderen - und traute seinen Augen kaum: Luzifer lächelte. Wie hypnotisiert starrte Michael ihn an. Wie sanft sein Gesicht plötzlich wirkte... wunderschön traf es da bei weitem nicht mehr... er bemerkte, dass etwas in den Augen seines Gegenübers aufflackerte. Besorgnis? Nein, dass konnte nicht sein. Der Höllenfürst macht sich keine Sorgen, und wenn er ihn gerade lächeln sah, dann lag das bestimmt daran, dass er zu oft bei Raphael war. Auch passiv rauchen war ungesund, jawohl! Aber was war es dann?

    ~I tried to feel the pain
    But it keeps me in this circle
    I don't wanna get away
    'Cos you're here with me
    I feel you
    Love is the word you gave it a name~

    Noch immer hing diese Stille in der Luft, doch es war keine Angenehme. Nein, sie war laut, so laut, dass es weh tat. Eine von der Art, die es schwer macht zu atmen, die einem jede Handlungsfähigkeit nimmt und die nur schwer zu brechen ist. Doch Luzifer tat es. Mit einem elegantem Sprung stand er vor Michael. Der zuckte zwar kurz aus Angst vor einem Angriff zurück, verharrte dann aber wieder reglos. Noch immer blickten sie einander in die Augen, versuchten, in ihnen zu lesen, unfähig, etwas zu sagen. Dann, ganz langsam, hob der Schwarzhaarige seine rechte Hand und wischte vorsichtig einige der Tränen ab, streichelte zärtlich das Gesicht des Feuerengels. Der riss kurz erschrocken die Augen auf, schloss selbige dann aber und genoss die sanften Berührungen des Anderen. Und plötzlich wandelte die Stille sich. Nun bedrohte sie sie nicht länger, sondern hüllte sie ein, schützte sie vor der Welt und gab ihnen Ruhe. Sie wurde zu Musik, die aus dem Herzen kam.

    ~Love is right now
    So don't close your heart
    I've been waiting all my life
    For this moment of our love
    With you
    With you~

    Keiner der beiden würde jemals sagen können, wer sich als erster von ihnen bewegte. Alles, was sie wussten, war, dass sie sich Sekunden später in den Armen lagen, sich aneinander festklammerten, Halt suchend und Halt gebend.
    Der Rotschopf fragte sich innerlich, ob das alles nur ein Traum war. Es war alles so unwirklich... und doch war es wahr. Sein Bruder war da und umarmte ihn. Leise seufzte er. Vielleicht war gleich alles vorbei und Luzifer würde erkennen, was er hier eigentlich tat, ihn von sich stoßen. Dennoch war er glücklich, dass es so weit gekommen war. Auch wenn er gleich ein nettes, kleines Schwertchen im Rücken stecken hatte, das war es definitiv wert, entschloss er und drückte sich noch ein wenig enger an den Anderen.
    Der indessen dachte gar nicht daran, etwas in dieser Richtung zu unternehmen. Michael war hier, in seinen Armen, sonst zählte nichts. Sanft fuhr er dem Kriegsengel über den Rücken, genoss e, von ihm zärtlich am Nacken gestreichelt zu werden. Doch dann drängten sich ihm Zweifel auf. Was, wenn er alles zerstörte, wenn er Michael seine Gefühle gestand? Was, wenn dann der Hass wiederkehren würde - wenn er überhaupt jemals gegangen war? Aber das Risiko, entschied er, musste er eingehen. Er schob den kleineren ein wenig von sich und sah wieder in diese unglaublichen Augen, die selbst in der einsetzenden Dunkelheit von innen heraus strahlten. Und plötzlich war es ganz einfach: "Ich liebe dich, Michael...".

    ~Love is right now... right now...
    Our love is right now
    So don't close your heart
    I've been waiting all my life
    For this moment of our love
    With you~

    Ungläubig sah der ihn an, konnte nicht fassen, dass er das tatsächlich gesagt hat, doch dann erhellte sich sein Gesichtsausdruck. Wieder flossen die Tränen, doch diesmal vor Freude. Überglücklich strahlte er den verdutzten Luzifer an, bevor er flüsterte: "Ich dich auch... ich dich doch auch...". Dann lagen seine Lippen auf denen des anderen, der sofort erwiderte. Der Kuss war langsam und noch ein wenig scheu, doch reichte er aus, um sie beide in eine höhere Sphäre zu bringen, die Realität außer Kraft zu setzen, sie nur noch den anderen spüren zu lassen - und er reichte aus, um sie beide zu Gejagten zu machen, sollte nur einer, egal ob aus dem Himmel oder der Hölle, davon erfahren. Dieser Gedanke war anscheinend auch Luzifer durch den Kopf gegangen, denn als sie sich wiederwillig aufgrund Luftmangels (auch (Ex)Engel mussten mal atmen)voneinander lösten, flüsterte er dem Rotschopf ins Ohr: "Dann bitte ich dich: Flieh mit mir!". Michaels Entscheidung stand von vorneherein fest: Er würde gehen. Es gab kein zurück mehr, von jetzt an würden Himmel und Hölle gegen sie sein. "Ich werde mit dir gehen, nur bleib bei mir!". Wieder ein langer Kuss. Von nun an würde nichts mehr sein, wie es war, doch sie hatten einander. Und das war alles, was zählte.

    ~Just let me love you
    And I'll learn to love you right
    I lived only for this moment
    For this moment of our love
    With you
    With you...~
  4. ~Sequel - Alive~

    ~Every day is a new day
    I'm thankful for every breathe I take
    I won't take it for granted
    So I learn from my mistakes
    It's beyond my control, sometimes it's best to let go
    Whatever happens in this lifetimes
    So I trust in love
    You have given me peace of mind~

    -Luzifers POV-

    Es ist jetzt sieben Monate her, dass wir beide geflohen sind. Gemessen an der Lebensspanne eines Engels ist das wenig, aber mir kommt es vor wie eine Ewigkeit, umso mehr, da wir uns jeden neuen Tag hart erkämpfen mussten. Momentan wird eine beispielslose Jagd auf uns gemacht. Drei einzelne Engel haben uns bereits gefunden. Ihr Pech war nur, dass wir sie zuerst gesehen haben. Friede ihrer Asche. Oder auch nicht. Ich denke aber, dass dieser Zustand nicht mehr lange anhalten wird. Es wird bald wichtigeres geben, als zwei Abtrünnige zu jagen, mögen sie auch noch so hochrangig sein. Und so lange sie uns nicht melden oder anfangen, Untergebene zu suchen, sind wir keine große Gefahr für den Himmel oder die Hölle, denn auch wenn wir alleine oder gar gemeinsam unglaublich stark sind und sehr viel Schaden anrichten würden, würden wir den Kampfplatz doch nur in sehr kleinen Stücken wieder verlassen. Aber ich will gar nicht mehr kämpfen. Vielleicht färbt das doch sehr menschliche Dasein, dass wir hier auf Assiah gezwungener Weise führen, langsam auf mich ab, aber ich habe genug Kriege und Gemetzel erlebt. Momentan gibt es für mich nichts schöneres, als von dir Tag für Tag zu lernen, was es heißt, zu leben.

    ~I feel so alive für the very first time
    I can't deny you
    I feel so alive
    I feel so alive for the very first time
    And I think I can fly~

    Ja, du hast mich verändert. Ich konnte endlich meine Maske ablegen, und mit jedem Tag schmilzt du ein weiteres Stück Eis von meinem Herzen weg. Ich lächle jetzt öfters, etwas, dass sehr lange unmöglich war, und auch heute gelingt es mir nur, wenn ich dich sehe. So wie jetzt gerade. Du warst in der Stadt, hast einige Sachen besorgt, die wir zum Leben brauchen. Ich lasse dich nur ungern allein, doch so ist es einfach unauffälliger. Außerdem weiß ich ja, dass ich, falls etwas passieren sollte, in sekundenschnelle bei dir wäre. Aber jetzt bist du ja wieder da, liegst in meinen Armen und lächelst mich glücklich an. Es ist für uns beide noch immer keine Selbstverständlichkeit, den anderen um sich zu haben. Wir genießen jeden kostbaren Moment. Jetzt, wo ich dieses Leben kenne, weiß, was es heißt, zu lachen, zu lieben, möchte ich es nicht mehr missen. Und das weißt du auch, ich habe es dir gesagt. Es ist niedlich, zu sehen, wie du dich freust, wenn ich so etwas sage oder auch nur wenn ich lächle. Es geht mir genauso, glaub mir. Einmal sagtest du mir, du hättest es immer gehasst, wenn man dich ‚Mika-chan' nannte, weil es stets einen herablassenden Unterton besaß, doch bei mir würdest du es lieben. Du weißt ja nicht, wie sehr ich mich gefreut habe. Auch wenn ich mich immer wieder frage, womit ich das verdient habe. Wie kannst du mich nur lieben, obwohl ich dich so behandelt habe? Ich wünsche mir, ich könnte alles ungeschehen machen, all die Kränkungen, all die Verletzungen...

    ~Sunshine upon my face
    A new song for me to sing
    Tell the world how I feel inside
    Even though it might cost me everything
    Now that I know this, so beyond, I can't hold this
    I can never turn my back away
    Now that I've seen you
    I can never look away~

    -Michaels POV-

    Lächelnd kuschle ich mich noch mehr an dich, atme genießerisch deinen Duft ein, lege meinen Kopf auf deine Schulter. Es sind diese Stunden des Tages, die ich am meisten liebe. Abends, wenn wir einfach abschalten und genießen. Wir haben es sogar geschafft, einen See zu finden, der ‚unserem' ein wenig ähnelt. Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal sagen würde, aber ich mag die Ruhe, die dann einkehrt. Die meisten würden wohl sagen, dass das unmöglich wäre, ‚ich' und ‚Ruhe' könnte man nur mit dem Verb ‚hassen' in einem Satz unterbringen. Aber diese Leute hätten auch nie gedacht, dass ich mal mit meinem Bruder durchbrennen würde. Bereuen tue ich es nicht. Wir haben uns beide sehr verändert. Ich bin ruhiger geworden, die Häuser sind wieder sicher und sogar fluchen tue ich meistens nur noch im Nebensatz, und du... du wirst immer, ja, menschlicher. Und ich liebe dich mit jedem Tag mehr. Nichts löst in mir die gleiche Freude aus, als morgens neben (oder eher halb auf dir) aufzuwachen und abends genau dort wieder einzuschlafen, wissend, dass du da bist. Manchmal kommen noch die Albträume, sowohl bei dir als auch bei mir, und wir sind mehr als einmal davon erwacht, dass der andere keuchen hochgefahren ist. Doch in den Armen des Geliebten können wir vergessen. Und das lieblichtste, was ich jemals gehört habe, war, als du lachtest. Du tust es so selten, aber damals schwor ich mir, alles daran zu setzen, dass ich es noch öfters hören darf.

    ~I feel so alive
    I can't deny you
    I feel so alive
    I feel so alive for the very first time
    And I think I can fly~

    Plötzlich fängst du an zu zittern. Erschrocken sehe ich zu dir auf: "Was ist?". Du siehst auf einmal so traurig aus... "Warum?". Fragend sehe ich dich an. "Warum vertraust du mir so, obwohl ich... ich habe doch...", bricht es förmlich aus dir heraus, obwohl du nur leise gesprochen hast. Mein Blick wird weich und ich schmiege mich wieder an dich, kraule dir sanft den Nacken, wo du, wie ich festgestellt habe, sehr empfindlich bist. "Weil ich dich liebe... und weiß, warum du das getan hast." Ja, ich weiß es. Du hast es mir erzählt, nachts, als wir beide nicht schlafen konnten, aus Angst, der Andere könnte nicht mehr da sein, wenn wir aufwachen. Ich hätte nicht gedacht, dass du dir deshalb noch immer einen Kopf machst. Doch du denkst eben viel nach, und ich habe schon gelernt, dass das o.k. ist, wenn ich dich dann und wann wieder herausreiße. Ich merke, wie du wieder anfängst, zu zittern, und dann erblicke ich etwas, was ich noch nie gesehen habe: Tränen in deinen wunderbaren grauen Augen. Doch ich komme nicht mehr dazu, sie wegzuwischen oder etwas zu sagen, denn du drückst mich enger an dich und flüsterst mir mit zitternder Stimme ins Ohr: "Danke...". Wieder will ich etwas sagen, überlege es mir jedoch anders und verschließe einfach nur deine unvergleichlichen Lippen mit meinen. Und obwohl du erwiderst, kann ich immer wieder spüren, wie dein Mund ein Wort formt: "Danke...".   

    ~Now that I know you, I copuld never turn my back away
    Now that I see you, I could never look away
    Now that I know you, I could never trun my back away
    No that I see you, I believe no matter what they say~       

    -3rd Person-

    Ganz in sich und ihren Kuss vertieft saßen die zwei ungleichen Brüder auf ihrem Bett. Hier hatten sie ein Zuhause, hier hatten sie sich. Es würde noch Kämpfe geben, eventuell auch gegen alte Freunde und Bekannte. Vielleicht würden sie nicht überleben. Doch die Zeit, die sie hier verbrachten, war alles wert, was noch kommen würde. Was auch immer geschah, sie waren zusammen, und das Gefühl, zu lieben und zu leben, konnte ihnen nicht einmnal der Tod noch nehmen.

    ~I feel so alive for the very first time
    I can't deny you
    I feel so alive
    I feel so alive for the very first time
    And I think I can fly~

    ~Ende~
  • Titel: Alle Fragen sind gestellt
    Pairing: Raphael/Michael... hätte Raphie jedenfalls gerne
    Genre: Drama, Songfic (Überraschung, Überraschung...)
    Warnings: Pre-AS, Darkfic
    Kommentar: Meine erste Shounen-Ai-FF. Raphaels Sicht. Das Lied stammt aus dem genialen Musical 'Elisabeth' und kommt passenderweise erst zu Hochzeit, dann zum Untergang XD

~Alle Frage sind gestellt~

~Alle Fragen sind gestellt
  Und alle Phrasen eingeübt
  Wir sind die letzten einer Welt
  Aus der es keinen Ausweg gibt~

Es ist alles so sinnlos geworden. Ich weiß nicht einmal mehr, für wen ich überhaupt kämpfe. Für Gott? Garantiert nicht. Oh, einst war es so. Damals kämpfte ich mit vollem Imbrunst für seine Ziel, aber das ist endgültig vorbei. Und Sevortharte-'sama' ist nicht gerade die Sorte Chef, die besonders loyalitätserwirkend ist. Nein, der Himmel ist am Ende. Und das sind diese Idioten da oben selber Schuld. Genau genommen fällt mir nichts ein, was den Himmel (abgesehen von den paar Äußerlichkeiten -und dem Aussehen ihrer Chefs-) noch von der Hölle unterscheidet. Hier ist eigentlich alles Wichtige verboten, vor allem aber eins: Liebe. Und das ist grausam. Es heißt, wir sollen perfekt sein. Aber wie kann jemand, der keine Liebe empfindet, etwas anderes sein als eine Machine? Denn genau das sollen wir doch sein: Roboter, die brav ihre Arbeit machen und sich danach wieder in ihre Ecke stellen. Sie brauchen nur ein wenig Öl, dann geben sie keinen Muckser mehr von sich und können nichts gegen ihren Benutzer sagen. Ich nehme an, wenn wir so wären, würden Sevortharte, Gott und co. längst glauben, sie seien im Paradies. Manchmal denke ich, dass es tatsächlich besser wäre, würden wir wie eine solche Machine funktionieren. Dann müssten wir nicht mehr versuchen, den vollen Ausmaß dieses Verbotes unserem Herzen beizubringen, müssten nicht unsere Seele vor den grausamen Gemetzeln schützen und unser gewissen mit der blutigen Gegenwart in Einklang bringen - was nur sehr selten gelingt. Viele der Engel, die es nicht schaffen, sind entweder verdammt gute Schauspieler -so wie ich- oder sie fallen. So haben wir ja auch diesen wundervollen Erbfeind namens Luzifer hinzugewonnen. Das 'wundervoll' war übrigens extrem ironisch gemeint, ich kann den Kerl nicht ab. Genau genommen hasse ich ihn für das, was er Mika-chan angetan hat.

~Denn alle Sünden sind gewagt
  Die Tugenden sind einstudiert
  Und alle Flüche sind gesagt
  Und alle Segen revidiert~

Mika-chan... Michael. Erzengel, Elementar, Engel des Feuers und des Krieges. Dummerweise dabei nur 1,60m groß. Ein Temperament wie seine Gabe, er ist wirklich ein Hitzkopf und Raufbold ersten Grades. Ständig schreit und flucht er, und das macht es so leicht zu übersehen, wie empfindsam er ist. Das sein Bruder, sein Zwilling, damals gegangen ist, hat ihm vermutlich das Herz zerrissen. Und auch vorher war es nicht leicht für ihn. Ständig stand es im Schatten seines Bruders. Luzifer war groß, gutaussehend, beherrscht, stark und bei allen beliebt - Michael dagegen... Immer musste er sich anhören, wie toll sein Bruder doch sei und was er dagegen für eine Missgeburt wäre. Wenn er sich wenigstens gut Luzifer, oder Luzifel, wie er damals ja noch hieß, verstanden hätte, wäre es ja noch zu ertragen gewesen - aber davon konnte nun wirklich keine Rede sein, der heutige Teufel zeigte ihm stets die kalte Schulter. Das er dies zu allen tat, war da noch tröstlich. Bis er sich in Alexiel verliebte. Sie bekam all die Liebe, die Michael sich so sehr wünschte, die er so sehr brauchte. Und da wurde er das, was er heute ist. Er kommt nicht mit den Regeln hier im Himmel zurecht, was mich nun nicht wirklich verwundert. Wenn nicht bald etwas geschieht, weiß ich nicht, womit ich ihn noch hier halten kann. Ich glaube nicht, dass er zu einem Satan oder ähnlichem wird, dann wäre er seinem Bruder zu ähnlich, nein, er wird etwas tun, was dem Himmel sehr schaden wird - und im Anschluss zum 'Wing Cutting' verurteilt werden. Ich fürchte, nur ein Krieg könnte ihn noch davor abhalten. Doch wenn das passiert, was ich glaube, müssen wir darauf nicht mehr lange warten.

~Die Hässlichkeit empört uns nicht
  Die Schönheit scheint uns längst vorbei
  Die gute Tat entehrt uns nicht
  Die böse Tat ist uns egal~

Nein, es wird nicht mehr lange dauern. Alles sammelt sich zur nächsten Schlacht, die Anspannung und Kampfeslust hängt fast greifbar in der Luft. Dummerweise merken die Idioten, die dafür verantwortlich sind, dass nicht. Doch die Geschöpfe der Hölle sammeln ihre Kraft und wir sind zu sehr damit beschäftigt, uns gegenseitig abzumetzeln, um etwas dagegen tun zu können. Allerdings glaube ich nicht, dass Sevortharte-sama es so genannt hätte. Er denkt vermutlich, dass die Satane alle Ameisen wären, die er nach belieben zerquetschen kann, und wahrscheinlich steht das Abschlachten in seiner Akte als 'notwendige Erziehungsmaßnahme'. Das er dabei auch (im wahrstem Sinne des Wortes) reine Unschuldsengel erwischt, ist ihm egal. Aber die, die nur in seinen Augen ein Verbrechen begehen, erwartet etwas schlimmeres, als nur vergewaltigt zu werden (wenn man eine Frau ist, auch wenn das eher auf den Täter ankommt, man kann auch als Mann Pech haben), die Finger aufgeschnitten, ein Schwert in den Bauch und andere empfindliche Körperteile gerammt und schließlich die Kehle nicht gerade sanft aufgeschlitzt bekommt: 'Wing Cutting'. Die Verwandlung in ein seelenloses Monster ist wohl das Schlimmste, was einem passieren kann. Man verliert seinen Verstand, greift sogar seine Freunde an... Mir schauert allein bei dem Gedanken. Und deshalb habe ich Angst vor dem Tag, an dem Mika-chan nicht mehr kann... und ich alles verlieren würde, was ich liebe.

~Denn alle Wunder sind geschehn
  Und alle Grenzen sind zerstört
  Wir haben jedes Bild gesehn
  Uns an den Klängen totgehört~

Vermutlich würde es jeden, der dies hören würde, verwundern, so etwas ausgerechnet von MIR zu hören: Raphael und lieben? Der Frauenheld Raphael, der keine Gelegenheit auslässt, eine schöne Frau zu verführen. Nein, denn dieser Raphael existiert nicht. Nicht wirklich. Oh, ich mag es, mit einer Frau zu schlafen. Es hilft mir, für einen Moment den Strudel, der mich immer tiefer hinabzieht, zu vergessen - indem ich etwas Verbotenes tue. Doch ich glaube, niemand verwechselt meine 'Untersuchungen' ausgerechnet mit Liebe. Ich bin erst so dankbar, dass ich vergessen darf, dass ich zärtlich bin, versuche, ihnen die Liebe zu geben, die sie verdienen. Und dann wache ich auf... und entdecke wieder einmal die bittere Wahrheit. Niemals werde ich denjenigen, den ich liebe, so nah bei mir haben können, nie werde ich aufwachen und glücklich sein. Und dafür müssen die Frauen büßen. Ich lasse ihre Träume platzen, so wie es mit den meinigen geschah, als ich zu dem Sünder wurde, der ich heute bin. Und dennoch kann ich lieben. Liebe... etwas, woran ich lange nicht glaubte, bis ich ihn traf. Ihn. Michael.

~Und alle Fragen sind gestellt
  Und alle Chancen sind verschenkt
  Wir sind die letzten einer Welt
  Die stets an ihren Selbstmord denkt~

Als alles um mich herum in Dunkelheit versank, war er da und leuchtete mir den Weg, wärmte mich mit seinem Feuer, weckte mich mit seiner lauten Stimme aus meiner Melancholie - und blieb bei mir. Und dafür liebe ich ihn. Es ist mir egal, dass er aufbrausend, jähzornig und zerstörungswütig ist, ganz zu schweigen von seinem nicht gerade ausgeprägtem Respekt vor anderen, denn ich weiß, dass das nicht wirklich Michael ist, so wie der Raphael, der alle Frauen verführt, nur ein kleiner Teil ist. Oh, dass seine Zerstörungslust echt ist, weiß ich nur zu genau, denn auch ich verspüre sie ab und zu angesichts des Trümmerhaufens, der sich einmal unser Leben nannte. Doch ich habe mich mehr unter Kontrolle - oder sagen wir, auf eine ganz andere Art. Denn während ich den Weg der Kälte gegangen bin und mein Herz hinter einer Mauer aus Eis verberge, die nur schmilzt, wenn er bei mir ist, verbirgt er all seine Sanftheit hinter seiner Wut. Er ist wirklich wie sein Element: groß, vernichtend und zerstörend, aber auch klein und wärmend. Nur selten legt er diese Maske ab, doch dann ist er so verletzlich, dass ich ihn am liebsten zärtlich in den Arm nehmen würde. Doch es geht nicht. Und das liegt nicht nur an dem Verbot. Ich kann es nicht tun, weil er mir vertraut. Ich weiß, dass er mich nicht liebt, dafür ist er viel zu sehr verletzt. Wenn ich es ihm zeigen würde, würde unsere Freundschaft zerbrechen. Und dafür liebe ich es viel zu sehr, mit ihm zu reden, wie ich es mit keinem anderem kann, zu wissen, dass er mich versteht, dass er mich nicht für dumm hält, zu hören, wie er mir stets sagt, wenn ich mich idiotisch benommen habe, ihn zufällig zu berühren und zu spüren, wie ein seltenes, echtes Lächeln von ihm ein enormes Glücksgefühl in mir auslöst, das mich glauben macht, ich würde fallen und dennoch fliegen. Und dafür liebe ich ihn.

~Und alles, alles was passiert
  Hilft uns die Zeit zu überstehen
  Weil jede Zeit uns revidiert
  Sehn wir die Sterne untergehen~

~Ende~




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung